AUGSBURGER MEISTER
1770/90

„ADONIS“

LINDENHOLZ GESCHNITZT
HÖHE 62 cm

Adonis ist eine Gestalt aus der vorderorientalischen, griechischen und römischen Mythologie, die ursprünglich wohl ein syro-phönizischer Vegetationsgott war. Vermutlich kommt die Gestalt des Adonis aus dem semitisch-sprachigen Raum, weil sein Name von nordwestsemitisch Adon „Herr“ abgeleitet ist. Nach anderer Auffassung ist er ursprünglich eine phrygische Gottheit, dessen Mythos aber bereits früh rund um das Mittelmeer verbreitet war. Er ist auch sehr dem Inanna/Dumuzi-Mythos ähnlich. In Etrurien war Adonis unter dem Namen Atunis bekannt und war oft als Begleiter von Turan dargestellt. Im Ersten Buch der Könige des Alten Testament wird die Geschichte eines „Adonia“ erzählt, der „ein sehr schöner Mann war“ und als zweitgeborener Sohn des sagenhaften israelischen Königs David den Versuch unternahm, Davids Thron an Stelle von Salomo an sich zu bringen. Mehr noch als die sprachliche Ableitung (vergl. oben) spricht diese Namensgleichheit dafür, dass der biblische Adonia und Adonis im Ursprung als identische, mythische Figur zu sehen sind. In der griechischen Mythologie ist Adonis das Sinnbild oder der Gott der Schönheit und der Vegetation und einer der Geliebten der Aphrodite (oder ihrer römischen Entsprechung Venus). Er wird als wunderschöner Jüngling beschrieben. Aphrodite habe der Sage nach sein auf den Boden fallendes Blut in ein Adonisröschen verwandelt, als ihn der eifersüchtige Ares (oder seine römische Entsprechung Mars), der sich in einen wütenden Eber verwandelt hatte, tötete. Aphrodite mussste Ihre Liebe allerdings mit Persephone teilen. Zeus verfügte, dass Adonis jeweils den dritten Teil seiner Zeit bei Aphrodite oder Persephone leben sollte. Über das restliche Drittel konnte er frei verfügen. Aus jedem Blutstropfen soll eine Anemone (Adonisröschen), aus jeder von Aphrodite vergossenen Träne eine weiße Rose gewachsen sein.