ALESSANDRO PAMPURINO
1460/62 – 1522/23

KREUZTRAGUNG
UM 1515

ÖL/LEINWAND, 82 x 108,5 CM

Alessandro Pampurino wurde aller Wahrscheinlichkeit nach 1460/62 in Cremeno geboren. Pampurino gehörte zu den führenden Malern der Renaissance in Cremona. Sein Name wird erstmals erwähnt angelegentlich der Zahlung für einige Miniaturen im Jahre 1482. Ab den späteren 1480er Jahren arbeitete er selbständig. In der darauf folgenden Zeit erhielt Pampurino große Aufträge für Tafel- und Wandbilder, darunter nach jüngerer Zuschreibung das aus den gewöhnlich religiösen Themen herausfallende Deckenfresko mit "Apoll und den Musen", heute im Victoria and Albert Museum, London (Ende der 1490er Jahre). Sein zeichnerisches und malerisches Werk ist von der hartkantigen, linear-kubischen Richtung der lombardischen Kunst eines Bramante und Bramantino beeinflußt (zur Biographie vgl. Gregori, Pittura a Cremona, 1990, S. 242f.) Christus auf unserem Gemälde überrascht durch völlige Abwesenheit jenes konstruktiven, abstrahierenden Zuges, der den Einfluß Bramantes und Bramantinos auf die Kunst Pampurinos belegt, oder positiv: Hier begegnet uns eine Lebensnähe, ein großartiges Erfassen des Modells, wie es eher in der toskanisch-umbrischen Kunst üblich war. Mit dieser verbunden ist auch die rhetorische Macht der äußeren Hülle, die Funktion der Draperie. Selten so anschaulich, demonstriert die Draperie des Gewandes den Prozeß vom Naturstudium zum äußerlich kodifizierten, der Bedeutung der Figur und künstlerischen Regeln angepaßten Stil.