GIACINTO CALANDRUCCI
1646 – 1707

VENUS & CUPIDO
UM 1685/90

ÖL/LEINWAND 97 x 134 CM


Literatur: vgl. Kunstmuseum Düsseldorf. Die Handzeichnung von Giacinto Calandrucci, Düsseldorf, 1986, Bd. 2., Abb. A23 und A25, S. 493–494 Expertise Dr. Stella Rudolph, Rom, 11. Februar 2011, liegt bei: „In my opinion this elegant Arcadian scene is a typical example of Calandrucci’s mature style in the manner of Maratti, but with certain distinctive features …. The date of the painting should therefore be around 1685-90…” In Palermo geboren, kam Giacinto Calandrucci wohl im Jahre 1669 nach Rom, wo er in Carlo Marrattas (1625–1713) Werkstatt eintrat und bald zu einem dessen Lieblingsschüler avancierte. In diesem Umfeld schuf Calandrucci in den letzten zwei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts zahlreiche Gemälde und Fresken für römische Kirchen und Palazzi, unter anderem für den Palazzo Lante und den Palazzo Strozzi-Besso. Als hochgeschätzter Meister starb Calandrucci 1707 in Palermo. Lione Pascoli widmete ihm eine Biografie in seinem 1730–36 in Rom erschienenen Werk „Vite de’ pittori, scultori, ed architettti moderni“ (siehe kommentierte Ausgabe Perugia 1992, S. 747–756). Dr. Stella Rudolph beschreibt unser Gemälde als ein typisches Beispiel aus Calandruccis Reifezeit in der Art Marattas, jedoch mit ausgeprägten eigenständigen Charakteristika, die sich in einer eleganteren und ruhigeren Ausführung der von Maratta entwickelten Prototypen ausdrücken. So entwickelt Calandrucci zum einen die Komposition des Themas, welches auch Maratta mehrfach dargestellt hatte, in eine elegante, arkadisch anmutende Szene weiter. Sie zeigt die in eine Landschaft gebettete Venus, mit ihrem Attribut der zwei Täubchen. Zwar mit einer gewissen Strenge, jedoch auch spielerisch, hält sie den Bogen des übermütigen Cupidos fest, um ihm am Schießen weiterer unbedachter Liebespfeile zu hindern. Charakteristisch für Calandruccis reifen Stil sind neben den klassizistischen Gesichtszügen der Venus, ihre gelängten, geschmeidigen Proportionen mit den zarten Füßen und Händen, die sich auf der weißen und purpurfarbenen Draperie abzeichnen. Stilistisch und auch zeitlich ist unser Gemälde mit Calandruccis „Venus und Adonis“ und „Dorinda und Silvio“ vergleichbar. Das Gemäldepaar wurde 1685 vom 5th Marquis of Exeter in Rom gekauft und befindet sich heute noch in der „Burghley House Collection“ in Stamford, G.B. (vgl. Graf 1986, Bd. II. Abb. A23 und A25, S. 493–494).